Umwelt
Die Jungen Grünen zum Richtplan der Stadt St. Gallen
Die Jungen Grünen zum Richtplan der Stadt St. Gallen
Die Jungen Grünen äussern sich zur zukünftigen Raumplanung in der Stadt St. Gallen in den Bereichen Siedlung und Verkehr. (PDF-Version unten)
Die ökologische Stadt der Zukunft
Der St. Galler Richtplan, der sich zurzeit in der Vernehmlassung befindet, zeichnet eine grobe Entwicklung der Stadt für die nächsten 20 bis 25 Jahre vor. Prioritär geht es darum, wie die Mobilität und das Wohnen der St. GallerInnen in Zukunft aussehen sollen. Der Richtplan enthält viele lobenswerte Ziele, die die Wichtigkeit einer nachhaltigen Entwicklung betonen. Andererseits stehen diese Ziele im Widerspruch zu verschiedenen Siedlungs- und Verkehrsprojekten. Eine Stadt ist ein historisch gewachsenes Konstrukt. Es ist eine Herausforderung, mit der gegenwärtigen Infrastruktur den zukünftigen Ansprüchen gerecht zu werden.
Von einer nachhaltigen Stadt, wie sie sich die Jungen Grünen vorstellen, ist St. Gallen aber noch weit entfernt. In einer solchen Stadt würde so viel Verkehr wie möglich zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem öffentlichen Verkehr zurückgelegt. Das ist heute keineswegs der Fall, ein Drittel des gesamten CO2-Ausstosses der Stadt stammt vom Autoverkehr (Quelle: Umweltbericht Stadt St. Gallen 2008). Es geht anders. Die trotz allem zahlreichen umweltbewussten StadtbewohnerInnen, die umweltfreundliche Verkehrsmittel benutzen, zeigen das.
Das Wohnen spielt ebenfalls eine sehr bedeutende Rolle für die Umwelt. Bei der Stadtplanung müssen bauliche Verdichtungen angestrebt werden. Mehrfamilienhäuser sollen Priorität vor Einfamilienhäusern haben. Das spart Energie und schont wertvolle grüne Fläche am Stadtrand. In der Stadt St. Gallen gibt es hier grosse Unterschiede. Manche Quartiere sind bereits sehr dicht besiedelt, manche so dünn, dass man kaum erkennen kann, dass es sich dabei um eine Stadt handelt. Auf jeden Fall sind diese Bemühungen weiterzuführen. Das ist Klima- und Landschaftsschutz gleichzeitig. Der Stadt geht die Arbeit in diesem Bereich nicht aus. Es werden noch grosse Anstrengungen nötig sein, wenn man bedenkt, dass hier der Flächenverbrauch pro Person jährlich um einen halben Quadratmeter steigt. (Quelle: Stadtplanungsamt).
Siedlung
Der Richtplan hat als übergeordnetes Ziel, die Einwohnerzahl der Stadt St. Gallen in den nächsten gut 20 Jahren um 10 Prozent zu erhöhen. Grundsätzlich wäre diesem Vorhaben durchaus Positives abzugewinnen. Denn es macht ökologisch Sinn, dass mehr Menschen in der Stadt wohnen, wo die zurückgelegten Distanzen zu Arbeit, Einkaufen und Freizeit durchschnittlich kürzer sind. Bedingung ist jedoch, dass die neu zu bauende Infrastruktur für dieses zusätzliche Zehntel Einwohner möglichst umweltfreundlich ist. Dazu gehört ein sparsamer Flächenverbrauch. Ein erheblicher Teil des Einwohnerzuwachses wird durch Verdichtung in bereits überbauten Zonen untergebracht (S. S0 //4). Das ist zu begrüssen, die inneren Reserven der Stadt müssen bei Wohnbauvorhaben zuerst ausgeschöpft werden. Allerdings sind auch Siedlungserweiterungen geplant, die den Nachhaltigkeitskriterien kaum entsprechen. Darauf wird im Folgenden noch eingegangen.
Die wirtschaftlich genutzte Fläche soll nach Richtplan um 15 bis 20 Prozent erweitert werden. Obwohl nicht allzu viele Umzonungen vorgesehen und, wie oben erwähnt, Verdichtungsbemühungen generell zu unterstützen sind, sollten die entsprechenden Projekte kritisch begleitet werden.
Die Bauprojekte, die für das Wohnen eines Teils der zusätzlichen Bevölkerung geplant, erfordern häufig Siedlungserweiterungen. In vier von sechs Projekten wird eine Landwirtschaftszone überbaut. Das kann Sinn machen, wie zum Beispiel im Gebiet Riederenholz, da hier zur Kompensation wieder neue Landwirtschaftsfläche ausgeschieden wird. Unsere Kritik richtet sich im Besonderen jedoch gegen die drei Bauprojekte in den Gebieten Waltramsberg, Oberhofstetten und Bernhardshus (S. S1.2 //5–10). Nicht nur soll hier Landwirtschaftsland verbaut werden. Die geplanten Ein- und Zweifamilienhäuser machen auch keinen Sinn, wenn man vom Zonenplan absieht. Es soll überall mit niedriger Dichte gebaut werden. Auf dem Waltramsberg in Rotmonten beispielsweise soll es auf einer sehr grossen Fläche von mehr als vier Hektaren Wohnraum geben für nur 150 bis 180 Einwohner. Das ergibt etwa 40 Einwohner pro Hektar. Wenn man den Vergleich mit den im Richtplan vorgesehenen Verdichtungsgebieten zieht, zeigt sich ein eindeutiges Bild: Hier wohnen rund 3700 Personen[1]. Das ergibt 67 Einwohner pro Hektar. Nach den Verdichtungsmassnahmen wären es 127 Einwohner pro Hektar. Es gibt sogar Wohnzonen mit über 200 Einwohnern pro Hektar. Das ist also ein proportional erheblich tieferer Flächenverbrauch. Damit verbunden ist auch eine wesentliche Reduktion des Energiebedarfs, der hier hauptsächlich durch das Heizen verursacht wird.
Dass diese Bauprojekte im Verhältnis zu den Einwohnern ein Vielfaches der Fläche anderer Wohngebiete benötigen und dadurch eine Energieverschwendung darstellen, ist aber nicht der einzige Grund, sie abzulehnen. Durch sie wird der für St. Gallen typische grüne Ring weiter verdrängt. Für die natürliche Umwelt ist das ein Verlust an Lebensraum, für die Menschen gehen Naherholungsgebiete verloren. Das ist insbesondere beim Waltramsberg der Fall. Dort wird ein grosser Teil des weit herum geschätzten Spazierwegs vernichtet, insbesondere der Zugang zum Tierpark Peter und Paul wird versperrt.
Weiter werden diese Bauvorhaben zusätzlichen Verkehr generieren. Speziell gilt das für das Projekt Bernhardshus bei Speicherschwendi. Es liegt am äussersten Rand des Stadtgebietes, wird aber einen Pendlerstrom ins Stadtzentrum verursachen.
Es ist darum notwendig, gegen diese drei Bauprojekte Widerstand zu bekunden. Sie verbrauchen zu viel Boden und greifen den grünen Ring an. Selbst wenn sie teilweise umweltfreundliche Technologien wie Erdsonden-Wärmepumpen oder die Regenwassernutzung vorsehen, benötigen sie für die geringe Anzahl zu beherbergenden Einwohner zu viel Energie. Sie sind darum auch klimaschädlich und keineswegs nachhaltig. Die Jungen Grünen rufen derzeit vor Ort zur Teilnahme an der Vernehmlassung auf und haben bereits zahlreiche positive Rückmeldungen erhalten.
Verkehr
Der Richtplan hält schon zu Beginn fest, dass nachhaltige Verkehrsformen prioritär sind (S. V0 //1). Dies liegt auch in unserem Sinne.
Im Folgenden geht der Plan auf die Verkehrsqualität des Strassensystems ein. Um den steigenden Verkehrsbelastungen, insbesondere auf der Autobahn A1, entgegenzuwirken, sieht die Stadt vor, das Projekt „Spange A1“ weiterzuführen. Aus der Sicht der Jungen Grünen steht dieses Projekt jedoch im Widerspruch zum oben genannten Grundsatz bezüglich der Förderung des öV. Weiter hat uns die Vergangenheit gezeigt, dass langfristig gesehen mehr Strassen vor allen mehr Verkehr bedeuten und durch sie keine wirkliche Verbesserung erzielt werden kann. Die Jungen Grünen fordern deshalb, sich an den festgelegten Planungsgrundsatz zu halten und dementsprechend dem steigenden Autoverkehr mit einem attraktiven öV entgegenzuwirken (S. V1.1 //2).
Wie es die Stadtplanung vorsieht, begrüssen auch die Jungen Grünen einen Ausbau des Schienenverkehres (S. V2.1 //1). Genauso wichtig ist es aber, die geografische Trennung von Wohn- und Arbeitsort möglichst klein zu halten, da somit weder der öV und der Individualverkehr möglichst klein gehalten werden, was ökologisch, ökonomisch und raumplanerisch sinnvoller ist. Die Jungen Grünen setzen sich für einen starken öV ein, wobei aber zu beachten ist, dass auch dieser Umweltschäden verursacht, wenn auch klar im geringeren Masse als der motorisierte Individualverkehr. Sie begrüssen deshalb verdichtetes Wohnen mit nahe liegendem Arbeitsort.
Die aufgelisteten Planungsgrundsätze und Beschlüsse bezüglich öV (S. V2.4 //1-2) unterstützen wir sehr. Die Prüfung der Eigentrassierung für den öffentlichen Verkehr sehen wir als sinnvoll und notwendig, um ein reibungsloses Funktionieren des öV zu garantieren und seine Attraktivität zu stärken. Auch ein Tram sehen wir als sinnvoll an.
Wie in der Ausgangslage zur Parkplatzsituation in St. Gallen geschildert wird, wurde das Parkraumangebot in der Innenstadt in den letzten Jahren massiv vergrössert, zusätzlich ist ein Projekt noch im Bau (Fachhochschule) (S. V4.1 //1). Die Jungen Grünen fordern, dass, unabhängig von der Marktplatzgestaltung und der Parkgarage Schibenertor, die diskutierten Maßnahmen des Parkplatz-Konsenses durchgeführt werden. So sollen die Parkplätze in der Innenstadt plafoniert, Oberflächenparkplätze in der Innenstadt aufgehoben und Saldierungspflichten eingeführt werden. Die geplante Parkgarage Schibenertor lehnen die Jungen Grünen ab. Eine Tiefgarage mitten in der Stadt ist weder ökologisch, verkehrstechnisch noch für die Stadtqualität und -attraktivität sinnvoll.
Die Planungsgrundsätze für den Fussverkehr (S. V5.1 //1) empfinden die Jungen Grünen als gut. Als wichtig beachten wir einen Ausbau der Infrastruktur für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen (Rollstuhlgängige, Blinde). So sieht es auch der Richtplan vor.
Die Stadt St. Gallen wird vielerorts als nicht attraktive Velostadt angesehen. Da das Velo ein flexibles, ökologisches und auch gesundheitsförderndes Fortbewegungsmittel ist, sollte es auch konsequenter gefördert werden. Notwendig sind flächendeckende Velospuren, wenn möglich mit einer eigenen Spur. Wenn eine eigene Spur bautechnisch nicht möglich ist, sollen Velofahrerinnen und Velofahrer auch die Busspur benützen können. Die Veloabstellplätze sollen überdacht sowie genügend sicher vor Diebstahlen sein. Sie werden intensiv beansprucht und sind deshalb auszubauen, beispielsweise an Hauptbahnhof, am Marktplatz, in der Altstadt und an Schulen. Die Velostation am Hauptbahnhof erachten wir als sehr gut, da die Velos dort vor Diebstahl geschützt sind.
Auch im Winter soll die Stadt das Velofahren ermöglichen, um den öV zu entlasten. Vielerorts werden im Winter nur die Strassen, nicht aber die Velowege gepflügt, das muss sich ändern. Weiter soll eine bessere Kombination Velo/öV (Bike and Ride) geschaffen werden.
Zusammenfassung
Der Richtplan der Stadt St. Gallen enthält sowohl positive wie auch negative Elemente. Grundsätzlich sind wichtige ökologische Ziele bei den Stadtplanern angekommen. Allerdings stimmen die konkreten Vorhaben häufig nicht damit überein. So lehnen die Jungen Grünen die geplanten Überbauungen Waltramsberg, Oberhofstetten und Bernhardshus ab und rufen die Bevölkerung dazu auf, dies in der Vernehmlassungsantwort ebenfalls zu tun. Im Bereich des Verkehrs gilt es primär, die unnötige, umweltfeindliche und teure Südspange der A1 zu verhindern. Weiter fordern wir eine konsequentere Förderung des Veloverkehrs mit durchgehenden Fahrspuren und genügend Abstellplätzen.
[1] Aktuellste Erhebung Januar 2010. Quelle: Stadtplanungsamt






